Kriegserinnerungen bewahren

Das Hauptthema dieses Blogs ist der Umgang vom Kriegsteilnehmern mit ihren Erlebnissen und Erinnerungen. Ein Problem an der Dokumentation der Erlebnisse dieser Zeitzeugen ist, dass sie bald nur noch als schriftliche oder digitale Quellen existieren. Die Zeitzeugen werden immer weniger. Leider interessieren sich nach meinem Empfinden kaum noch junge Menschen für diese Erlebnisse. Umso mehr überraschte mich eine Anfrage und ein Anruf von Eric Dennemann, der sich zusammen mit weiteren engagiierten Menschen aus der jüngeren Generation in den Niederlanden mit der Erinnerung an die Zeit des zweiten Weltkriegs befasst. Sie haben dazu eine Stiftung mit dem Namen Oorlogsherinneringen (auf Deutsch übersetzt “Kriegserinnerungen”) gegründet.

“Die nächste Generation muss wissen, was unsere Vorfahren durchgemacht haben, um in Zukunft Schlimmeres zu vermeiden.”  Stiftung Oorlogsherinneringen

Die Aktivitäten der Stiftung sind vielfältig, unter anderem werden  Zeitzeugenberichte dokumentiert und auf den Facebookkanälen der Stiftung veröffentlicht. Auch zu historischen Gegenständen werden die Geschichten der Menschen erzählt und so Geschichte lebendig gemacht, wie zum Beispiel der Flugzeugabsturz eines jungen Piloten anhand eines Flugzeug-Hinterrads, welches sich in dem Besitz einer Familie befand. Hier ist die Geschichte nachzulesen auf auf der deutschsprachigen Facebookseite der Stiftung.

Solche Gegenstände aus der Zeit des zweiten Weltkriegs werden vor Ort fachgerecht und legal geborgen, gesammelt und ausgestellt. Auch Sachspenden von Privatpersonen werden angenommen.

Hier gebe ich das Interview wieder, das ich mit Eric Denneman über die niederländische Stiftung Oorlogsherinneringen schriftlich geführt habe. Kriegserinnerungen bewahren weiterlesen

Abhörprotokolle aus Kriegsgefangenenlagern

Anlässlich des Abschlusses seiner Bundesratspräsidentschaft hat Stephan Weil in einem kulturellen Abend am 30.09.2014 das Theaterstück “Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben“ ausgewählt. Das Stück thematisiert wie deutsche Soldaten in Kriegsgefangenschaft ungefiltert über das Töten und die Verstrickung der Wehrmacht in den Holocaust sprachen.  Die Gefangenen wussten nicht, dass ihre Gespräche mitgehört wurden. Abhörprotokolle aus Kriegsgefangenenlagern weiterlesen

Studie Umgang mit Kriegserlebnis und Kriegsgefangenschaft

Umgang mit Kriegserlebnis

Die Erzählungen meines Vaters machten mich auf die langfristige Prägung der Kriegsgeneration durch ihre Kriegserfahrungen aufmerksam. In der vorliegenden Studie befasse ich mich intensiv mit diesem Thema und befragte zu diesem Zweck Kriegsveteranen zum eigenen Umgang mit ihren persönlichen Erlebnissen.

Diese Studie untersucht, wie Soldaten und Kriegsgefangene des 2. Weltkriegs mit ihren Kriegserlebnissen umgingen, wie sie diese verarbeiteten und welche Bedeutung sie Ihnen aus heutiger Sicht zuschreiben.
In einem ersten Teil enthält die Studie die theoretischen Grundlagen zu den Folgen von Krieg und Kriegsgefangenschaft für die betroffenen Personen und den Möglichkeiten des Umgangs mit den existenziellen Bedrohungen dieser Erlebnisse vor dem zeitlichen Hintergrund des 2. Weltkriegs. Dazu werden Studien, Untersuchungen und Veröffentlichungen aus dem Zeitraum der 50er Jahre bis in die heutige Zeit herangezogen.
Im zweiten Teil werden diese Erkenntnisse auf die Ergebnisse der eigenen Befragung ehemaliger Soldaten und Kriegsgefangener angewendet. Die Befragung der Zeitzeugen erfolgt dabei mittels eines Interviewleitfadens, der sich an der Bedürfnistheorie der Sozialarbeitswissenschaftlerin Sylvia Staub-Bernasconi orientiert.

Erhältlich seit August 2014 hier bei amazon:

Umgang mit Kriegserlebnis und Gefangenschaft, Jochen Radau, Diplomica Verlag 2014