Krieg als Handwerk

Im Jahr 2004 suchte ich für meine Studie insgesamt zwölf ehemalige Soldaten des Zweiten Weltkriegs auf. Einige lebten Zuhause mit Ihrer Frau, andere wohnten in Pflegeheimen. Diese Menschen berichteten von schlimmen Erlebnissen zu Zeiten des Krieges in ihren jungen Jahren. Sie erzählten nicht darüber, wie sie anderen schlimmes zugefügt haben. Am erstaunlichsten waren für mich die wenig greifbaren Antworten auf die Fragen, die sich mit den eigenen Wertvorstellungen und der Missachtung von Werten befassten. Obwohl die Häfte der Befragten Orientierungsmaßstäbe wie den Glauben oder die Erziehung benannten, konnten so gut wie keine Widersprüche z.B. zwischen dem eigenen Glauben und dem eigenen Handeln als Soldat erkannt werden.

Wie kann das sein? Weiterlesen

Radiobeitrag zum Thema Kriegsenkel

Traumareaktivierung bei pflegebedürftigen älteren Menschen

Die AWO Schleswig-Holstein stellt seit 2012 einen Ratgeber zum Thema Kriegserinnerungen bei pflegebedürftigen Menschen zur Verfügung.

„Mit einem größer werdenden Risiko für körperliche Gebrechen, sensorische und motorische Einschränkungen steigt das Risiko für die Reaktivierung von Traumata.“*

Denn alte Menschen fürchten sich vor allem vor Abhängigkeit und Hilfslosigkeit, da diese Gefühle mit traumatischen Ereignissen zusammenhängen können (*Leitfaden zum Einfluss von Kriegserinnerungen auf die Pflege“, S. 38, Herausgeber: AWO Schleswig Holstein). Weiterlesen

Abhörprotokolle aus Kriegsgefangenenlagern

Anlässlich des Abschlusses seiner Bundesratspräsidentschaft hat Stephan Weil in einem kulturellen Abend am 30.09.2014 das Theaterstück „Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben“ ausgewählt. Das Stück thematisiert wie deutsche Soldaten in Kriegsgefangenschaft ungefiltert über das Töten und die Verstrickung der Wehrmacht in den Holocaust sprachen.  Die Gefangenen wussten nicht, dass ihre Gespräche mitgehört wurden. Weiterlesen

Studie Umgang mit Kriegserlebnis und Kriegsgefangenschaft

Umgang mit Kriegserlebnis

Die Erzählungen meines Vaters machten mich auf die langfristige Prägung der Kriegsgeneration durch ihre Kriegserfahrungen aufmerksam. In der vorliegenden Studie befasse ich mich intensiv mit diesem Thema und befragte zu diesem Zweck Kriegsveteranen zum eigenen Umgang mit ihren persönlichen Erlebnissen.

Diese Studie untersucht, wie Soldaten und Kriegsgefangene des 2. Weltkriegs mit ihren Kriegserlebnissen umgingen, wie sie diese verarbeiteten und welche Bedeutung sie Ihnen aus heutiger Sicht zuschreiben.
In einem ersten Teil enthält die Studie die theoretischen Grundlagen zu den Folgen von Krieg und Kriegsgefangenschaft für die betroffenen Personen und den Möglichkeiten des Umgangs mit den existenziellen Bedrohungen dieser Erlebnisse vor dem zeitlichen Hintergrund des 2. Weltkriegs. Dazu werden Studien, Untersuchungen und Veröffentlichungen aus dem Zeitraum der 50er Jahre bis in die heutige Zeit herangezogen.
Im zweiten Teil werden diese Erkenntnisse auf die Ergebnisse der eigenen Befragung ehemaliger Soldaten und Kriegsgefangener angewendet. Die Befragung der Zeitzeugen erfolgt dabei mittels eines Interviewleitfadens, der sich an der Bedürfnistheorie der Sozialarbeitswissenschaftlerin Sylvia Staub-Bernasconi orientiert.

Erhältlich seit August 2014 hier bei amazon:

Umgang mit Kriegserlebnis und Gefangenschaft, Jochen Radau, Diplomica Verlag 2014

Folgen von Kriegsgefangenschaft

Um die Folgen von Kriegsgefangenschaft im Kontext des 2. Weltkriegs besser zu verstehen ist ein Blick auf die Erzählungen ehemaliger deutsche Kriegsgefangener in der Russland bzw. der Sowjetunion hilfreich. Die Lebensbedingungen insbesondere in den russischen Lagern waren zeitweise lebensbedrohlich. Der Historiker Rüdiger Overmans beschreibt in einem Beitrag zu den sowjetischen Lagern, dass unter den Kriegsgefangenen bis 1942/43 nur 5% überlebten. Zwar verbessert sich dann die Situation, aber bis 1946 beschreibt er die Versorgung in den Lagern als unzureichend. Weiterlesen